Mario Gruber
Rabenhofstrasse 6
3180 Lilienfeld
+43 (0) 660 52 15 823

Leistungs- und Serviceübersicht im Detail:

Generalstimmung: Sonderwünsche bzgl. Kammerton und Tremolo nach Absprache
Stimmplattentausch: Bei Stimmzungenbruch
Generalreparatur am Stimmstock: Stimmplatten abnehmen, reinigen, neu ventilieren, montieren, aufwachsen, stimmen. Einbau eines neuen Stimmplattensatzes, stimmen
Klappenbeläge: (Filz, Leder) erneuern
Tastaturjustage: Diskant/Basstastatur (Dichtheit und Tastenhub)Tastenanschlag/Tastenführungsfilze erneuern
Balgservice: Balgdichtung erneuern, Balg neu einfassen mit Kalikostreifen, Balgecken erneuern
Zubehör: Trageriemen, Querriemen, Balgriemen, Koffer
Kosmetik: Instrument generalreinigen (polieren), Diskantverdeck innen neu begazen

Gruber stimmt`s - Services Infos

  • Akkordeon
  • Harmonika
  • Stimmzunge
  • Stimmen
  • Gehäuse
  • Lagerung
  • Geschichte des Stimmens
  • Über mich

 

Akkordeon

Um selbst die Stimmung ihres Akkordeons zu überprüfen, wählen sie ein Diskantregister ohne Schwebung 4+8+16,  8+16, 4+8 oder 4+16 und spielen einen Ton nach dem Anderen z.B. g'+ g'' Oktavgriff auf Zug und Druck für jeweils ein paar Sekunden Dauerton.

Je exakter ein Instrument gestimmt ist, desto weniger bis im Optimalfall keine Schwebung sollte zu hören sein. Sie können die jeweilig dazugehörenden Töne der Bassseite ebenfalls mitspielen.

Ist ihr Instrument beidseitig 5-Chörig, ertönen 11 Stimmzungen gleichzeitig, wobei dieser Gesamtton aufgrund der unterschiedlich großen Stimmzungen etwas verwaschen klingen wird.

 

Harmonika

Da eine Harmonika nur in den seltensten Fällen eine Registerschaltung besitzt ist es ohne entsprechendes Stimmgerät leider nur möglich die Diskantstimmung anhand des Schwebungsvergleiches zu überprüfen.

Die Schwebung sollte gleichmäßig vom tiefsten bis zum höchsten Ton leicht ansteigen. Je mehr der Ton schwebt, desto schärfer wird das Klangbild das nach Belieben und Möglichkeit eingestellt werden kann.

Die Bassseite einer Harmonika ist rein gestimmt, das bedeutet wenn sie einen Akkord mit zugehörigem Bass für einige Sekunden Dauerton spielen, sollten sie im Optimalfall keine Schwebung hören, da die Reinstimmung mathematisch auf 0 teilbar ist.

 

Stimmzunge

Die Stimmzunge ist ein passiv durch Luft betriebener mechanischer Tonerzeuger, der den Gesetzen der Physik (Trägheit, Wärme, Luftfeuchtigkeit, Ermüdung,...) unterliegt. Die perfekte Stimmzunge ändert ihre Tonhöhe in Abhängigkeit vom Luftdruck kaum und spricht schon bei minimalem Luftdurchsatz an.

Je höher die Güte des Stimmmaterials ist, umso geringer ist der Luftverbrauch. Wie eine Stimmzunge arbeitet ist, was die Ansprache betrifft, oft Einstellungssache, wobei der feste Sitz am Stimmstock, die Ventile und die Stimmstockkanzelle eine wesentliche Rolle spielen. Vergleicht man eine Stimmzunge mit anderen Tonerzeugern wie einem Lautsprecher, wird man feststellen, dass das Gehäuse (dessen Volumen und Körperschallreaktivität) den größten Einfluss auf die Tonerzeugung hat.

Da die Ansprüche auf ein Instrument immer höher werden, will ich, ohne jemanden entmutigen zu wollen, auf Kleinigkeiten mit großer Auswirkung aufmerksam machen!

Ich empfehle beim Kauf eines Handzuginstrumentes die Verwendung eines Stimmgerätes um die Dynamik und das Einschwingen der verbauten Zungen (egal welcher Güte) zu prüfen. Die Einzeltöne sollten von leise bis laut, oder wenig bis viel Spieldruck in ihrer Tonhöhe nur minimal driften. Sind Ventile und Plattenwachs in Ordnung und die Tonhöhe variiert trotzdem um mehr als 4 Cent, ist ein exaktes Stimmen des Instrumentes unmöglich. Gerne können sie mich für eine kostenlose Erstbegutachtung des Instrumentes in meiner Werkstatt besuchen.

Es gibt vereinzelt das Phänomen, das Stimmzungen die mehrere Male mit sehr kurzen Pausen und gleichbleibendem Spieldruck angespielt werden, in ihrer Tonhöhe sinken. Testton z.B. auf Zug. Beim ersten Probeton (ca. zwei Sekunden) startet der Ton mit +3 Cent und sinkt in den zwei Sekunden gegen 0. Nach einer kurzen Pause (ca. zwei Sekunden) startet der Ton bei +1 Cent und sinkt nach weiteren ca. zwei Sekunden auf - 2 Cent. Wiederholt man diesen Vorgang, bleibt der Ton nach mehreren Durchgängen bei - 5 Cent stabil, wobei sich der Effekt nach einer Pause von ein paar Minuten wiederholen lässt und der Tanz von vorne losgeht. Aus mir unerklärlichen Gründen, da alle Voraussetzungen für ein Optimales Spiel gegeben sind (Niete, Wachs, Nagel, verschiedene Ventile), nenne ich diesen Effekt "müde Zunge". Ersetze ich diese "müde Zunge" durch (die selbe Tonhöhe jedoch) eine beliebig andere, ist der Ton wie gewohnt stabil und das Instrument kann gestimmt werden. Legen sie größten Wert auf eine exakte Stimmung, überprüfen sie bitte vor dem Kauf ob das Instrument diesen (der meiner Meinung nach produktionschargenabhängigen) Effekt aufweist.

Möchte man die einzelnen Stimmzungen eines Handzuginstrumentes mit einer Kette vergleichen, wird klar, das immer das schwächste Glied zuerst bricht. Die meisten Zungenbrüche zählen Neuinstrumente und jene die einen kleinen Balg aufweisen. Das liegt daran, dass minimale Einschlüsse oder waagerecht verlaufende Kratzer auf der Zunge ein Brechen begünstigen und ein Röntgen der einzelnen Stimmzungen in der Erzeugung viel zu teuer käme. Je kleiner der Balg des Instrumentes ist, desto größer ist der mögliche Spieldruck, der nicht selten speziell bei den Steirischen Harmonikas an die Belastungsgrenzen der Zungen führt. Selbst wenn der Zungenbruch sehr unangenehm ist, ist er unvermeidbar. Der einzige Trost der bleibt, ist die Gewissheit ein schwaches Glied weniger in der Kette zu haben ;-)

Die Zungenbrecherei ist ein Prozess, den ältere gut bespielte Instrumente längst hinter sich gebracht haben und nur mehr durch Überlastung oder unsachgemäßer Lagerung (Rostbildung) provoziert werden kann. 

 

Stimmen

Wie auf der Startseite bereits erwähnt, ist es für eine beständige Stimmung wichtig, dass die Grundvoraussetzungen (Wachs, Ventile, fester Sitz des Stimmstockes und Dichtheit) gegeben sind. Nun gibt es verschiedene Möglichkeiten eine Tonzunge zu stimmen. Weil die Tonzunge nach dem Prinzip der Trägheit arbeitet (Federkraft der Zunge und Gewicht), wird bei zu hohem Druck Ton an der Zungenwurzel Material abgetragen, um somit die Federkraft der Zunge zu reduzieren. Oder es wird (ab einer gewissen Größe) am Zungenende z.B. Lötzinn aufgetragen, um sie träger zu machen. Umgekehrt, ist der Ton zu tief, wird am Zungenende Material abgetragen, um die Federkraft verhältnismäßig zum Gewicht zu erhöhen.

Da die Erfindung der durchschlagenden Zunge weit vor der Erfindung der Elektrizität und somit des Elektromotors zurückliegt, wurden die Tonzungen mit Hilfe von Feilen und Hakenkratzern gestimmt. Mit dem Hakenkratzer wird die Zunge mit kräftigem Druck an der Wurzel eingeritzt um die Tonhöhe zu reduzieren. Mit der Feile wird am Zungenende Material abgetragen, um den Ton zu erhöhen. Diese Bearbeitungsmethoden erfordern Kraft und Gefühl um die Zunge auf der Stimmplatte nicht zu verdrehen, wodurch die Niete locker werden kann, und die Zunge nicht mehr an ihrer exakten Position schwingt, oder im Extremfall im Kanal streift.

Der Fortschritt der Technik ermöglicht heutzutage, mit motorbetriebenen Diamantfräsern materialschonender zu arbeiten.

Nicht jede Tonzunge reagiert gleich auf variablen Spieldruck, die meisten Zungen werden mit zunehmendem Druck tiefer, wobei es, wie überall, selbst hier Ausnahmen gibt, die in ihrer Tonhöhe steigen. Driftet ein Ton im Vergleich zu seinen Nachbartönen merklich zu stark, wird dieser um nicht in Teufels Küche zu kommen, erneuert.

Ich stimme Handzugnstrumente (Akkordeon, Steirische Harmonika, Schrammel,...) ausschließlich im Instrument und den Großteil mit Diamantfräsern. Damit ein breiteres Spieldruckspektrum erreicht werden kann, stimme ich bei Instrumenten mit durchwegs stark driftenden Tönen die sinkenden Töne minimal höher und steigende minimal tiefer. Durch diesen kleinen Kompromiss ergibt sich eine druckstabilere Stimmung. Wenn nichts anderes vereinbart stimme ich die Instrumente mit normalem Spieldruck, gerne aber nach Kundenwunsch auch für sehr lautes oder ausschliesslich leises Spiel. 

 

 

 

Gehäuse

Wie bei gut abgestimmten Lautsprechern nimmt das Gehäuse des Instrumentes wesentlichen Einfluss auf seine Klangcharakteristik und Lautstärke. Schall lässt sich noch nicht zu hundert Prozent berechnen, wodurch das Entwickeln der Instrumente in der Vergangenheit manchmal mit einer Portion Glück behaftet war. Aus diesem Grund setzten sich einige Modelle durch, die uns bis heute noch gut erhalten geblieben sind und aus selbigem Grund nur selten den Besitzer wechseln.

Oft ist weniger mehr, das Gehäuse soll möglichst leicht und zugleich robust gefertigt sein, um einerseits den Spielkomfort zu erhöhen, und um andererseits in Resonanz "frei" mitschwingen zu können. Der von der Stimmzunge erzeugte Ton ohne Gehäuse ist sehr dünn, leicht scharf und kraftlos (ähnlich eines Grammophons). Erst im Gehäuse kommt es zur Verstärkung, was modellabhängig und altersbedingt eine sehr positive Wirkung auf den Klangcharakter hat. Denkt man an Saiteninstrumente spielen auch hier die Saiten an sich oft lediglich eine untergeordnete Rolle, da die eigentliche Klangaufbereitung das Gehäuse übernimmt. Im Laufe der Jahrzehnte ändert sich auch das Stahlgefüge der Tonzungen, sodass selbst kleinste durch die Herstellung verursachte Materialspannungen abgebaut werden und die Tonzunge erst jetzt ihre positiven Eigenschaften voll entfalten kann. Ob ein Instrument was taugt, oder nicht, ist dadurch manchmal eine Frage der Zeit und erklärt somit warum manche Modelle aus lange vergangener Zeit so heiß begehrt sind. Wie sie nun wahrscheinlich vermuten werden gibt es für Handzuginstrumente kein allgemeingültiges Rezept, wegen der Vielzahl an Variablen, die nur in abgestimmter Komposition zu einem einzigartigen Klangerlebnis führen. Vieles ist möglich aber trotzdem wird dies immer Geschmackssache des Einzelnen bleiben .

 

Lagerung

Lagern Sie ihr Instrument nur an Plätzen, an denen sie sich selbst auch für längere Zeit aufhalten würden !!! ;-)

Die Stimmzungen sind aus Stahl,  das Gehäuse aus Holz und die Stimmplatten und Klappen werden modellabhängig vom Wachs gehalten.

Bitte vermeiden sie es, Ihr Instrument im Keller aufzubewahren, meistens ist der Boden in Kellerräumen erheblich kälter als die Raumluft, wodurch es zur Unterkühlung ihres Instrumentes kommen kann und somit schleichend einfeuchtet (Kondenswasserbildung). Dadurch kann es zu unangenehmen Modergerüchen bis hin zu Schimmelbildung bei Holz und Textil und auf Mechanik und Stimmplatten zu Oxidationserscheinungen (Rost) kommen.

Denken sie daran, dass im Auto, das in der Sonne steht, sehr hohe Temperaturen entstehen können, die das Plattenwachs erweichen oder gar verflüssigen.

Hat sich ihr Instrument z.B. durch Sonnenstrahlung stark erwärmt, kühlen sie es unbedingt vor dem Spiel durch Ventilation ausschließlich NUR MIT DEM LUFTKNOPF !!!. Lässt dies die Situation nicht zu, vermeiden sie zu starkes Spiel auf Zug damit die Stimmplatten nicht vom Stimmstock gepresst und die Klappen nicht von den Klavis gesogen werden.

Ein Dachboden bietet alle zuvor aufgezählten ungünstigen Lagerbedingungen von extremer Hitze und Kälte inklusive Feuchtigkeit und ist somit die schlechteste Lagerstätte.

Bei Temperaturen unter 5° wird selbst frisches Plattenwachs "Glashart" und ihr Instrument somit sehr empfindlich auf zu starke Erschütterungen. UND... wenn ein Brillenträger im Winter vom Freien aus einen beheizten Raum betritt, bildet sich auf seinen Brillengläsern Kondenswasser. Selbiges passiert einem unterkühlten Instrument beim Betreten des Raums, hier jedoch bildet sich das Kondenswasser auf den für Wasser sehr empfindlichen Stimmzungen durchs Spielen. Deshalb ist es zu empfehlen, das Instrument vor dem Spielen durch Ventilation ausschließlich NUR MIT DEM LUFTKNOPF zu akklimatisieren.

Die optimale Lagerung ihres Handzuginstrumentes setzt gleichbleibende Temperaturen und wenig bis normale Luftfeuchtigkeit und genügend Frischluft voraus. Sind Schulter und Bassriemen mit (Spiel) Schweiß angefeuchtet, verpacken sie ihr Instrument nicht unnötig lange im Transportkoffer um unangenehme Gerüche und Rost zu vermeiden. 

Um ein Aushängen der Ventile (speziell die schweren Helikonbassventile) zu vermeiden stellen sie ihr Instrument wenn es länger nicht in Verwendung ist, in aufrechter "Spielstellung" ab.

Vermeiden sie unschöne Oxidationen an den Balgecken, indem sie diese spätestens alle zwei Jahre mit einem Silikon- oder geruchlosem Waffenöl befeuchteten Tuch abwischen.

Gönnen sie Ihren Kofferschlössern ab und zu ein Tröpfchen Öl, damit Feder und Schiebemechanismus nicht durch Oxidation brechen oder stecken bleiben.

  

 

Geschichte des Stimmens

Wenn man in der Musik von Temperatur spricht, dann geht es nicht um warm oder kalt, sondern um verschiedene Stimmungs-Systeme. Heute ist bei Tasteninstrumenten die Oktave in zwölf gleichgroße Halbtonschritte unterteilt.      Das war nicht immer so.

Früher konnte ein Orgel- oder Cembalobauer sein Instrument nur mit Hilfe seines Gehörs stimmen. Elektronische Stimmgeräte gab es noch nicht. Dabei half man sich mit reinen Intervallen.

Ein Intervall ist dann rein, wenn er so sauber klingt, dass es "nicht mehr flirrt" - oder wie der Fachmann sagt: "nicht mehr schwebt". Oktaven sind immer rein. An zweiter Stelle kommen die Quinten. Bis heute werden z.B. Geigen in reinen Quinten gestimmt.

Ein kleiner "Rechenfehler" wird ein hörbares Problem

Dementsprechend wurde im Mittelalter die Orgel gestimmt. Denn in der Mittelalterlichen Musik war die Quinte ein ganz besonderes Intervall. Sie musste rein sein - beim Singen genauso wie auf den Begleitinstrumenten. Also hat man die Orgel nach reinen Quinten aufwärts gestimmt. Vom C erst das G, dann D, A, E, usw.

Wenn man das zwölfmal macht, Kommt man - rein rechnerisch - wieder beim C raus und hat dabei alle Halbtöne durchwandert. Der griechische Gelehrte Pythagoras hat das schon in der Antike berechnet. Deshalb nennt man diese Temperatur pythagoreische Stimmung.

Nun gibt es aber ein Problem: Die Zwölf Quinten von C nach C sind größer als die sieben Oktaven, die den selben Weg zurücklegen. Man landet also nicht genau auf demselben C, sondern knapp daneben. Diesen minimalen Unterschied nennt man pythagoreisches Komma. Die letzte Quinte muss man also zu klein machen, damit man nicht zwei verschiedene C hat. Diese Quinte nannte man Wolfsquinte, weil sie so schrecklich klingt. Man konnte sie beim Spielen nicht verwenden.

Das hatte zur Folge, dass man einige Tonarten auf der Orgel verwenden konnte und andere nicht. Das war aber nicht so schlimm, denn die mittelalterliche Musik hat sich auf wenige Tonarten und Grundtöne beschränkt.

Statt Quinten werden Terzen ausprobiert.....

In der Renaissance gewann das Intervall der Terz große Bedeutung. Dur und Moll entwickelten sich und für Dur- und Moll- Akkorde braucht man eine Terz als mittleren Ton. Nun waren die Terzen der pythagoreischen Stimmung aber sehr unsauber. Eine neue Temperatur wurde entwickelt: die mitteltönige Stimmung. Dabei werden alle Terzen rein gestimmt. Mit diesen reinen Terzen klingen die damals wichtigen Tonarten C-Dur, G-Dur, F-Dur und D-Dur wundervoll strahlend und blitzblank sauber. Es gab aber immer noch das Problem, dass das Stimmen nicht aufging. Tonarten die mehr als drei Vorzeichen haben, konnte man nicht verwenden. Sie klangen scheußlich und falsch, denn das mitteltönige System ist nur für C-Dur und seine Nachbartonarten gemacht. Und weil das so war, hat man um einige Tonarten z.B. Fis-Dur einen großen Bogen gemacht.

Die Lösung ein Kompromiss!!?

Für die Komponisten der Barockzeit war das sehr unbefriedigend, denn sie wollten immer kunstvoller komponieren und alle Tonarten gleichberechtigt verwenden können. Der Organist und Musiktheoretiker Andreas Werkmeister tüftelte lange an diesem Problem. Er rechnete viel, denn bei dem Problem der Stimmung geht es viel um Mathematik. Und er fand eine Lösung: Statt nur eine Quinte zu haben, die völlig verstimmt ist (die Wolfsquinte) verteilte er das pythagoreische Komma auf vier Quinten. Werkmeister machte aus einer sehr verstimmten Quinte einfach mehrere Quinten, die ein bisschen verstimmt sind. So wurden endlich alle Tonarten spielbar.

Der Auftraggeber von Andreas Werkmeister war der Lübecker Organist und Komponist Dietrich Buxtehude. Der junge Johann Sebastian Bach war längere Zeit bei Buxtehude zu Gast, um sich von ihm unterrichten zu lassen und lernte bei ihm das neue System von Werkmeister kennen. Bach war begeistert! Er war der erste Komponist, der eine Sammlung von Stücken schrieb, die durch alle zwölf Tonarten geht: zwölf Präludien und Fugen in allen Dur-Tonarten und zwölf in Moll. Diese Sammlung sollte ein Lehrwerk sein, mit dem junge Musiker lernen sollten, mit allen Tonarten umzugehen. Zu Ehren Andreas Werkmeister nannte Bach diese Sammlung "Das wohltemperierte Klavier". Diese Sammlung von Präludien und Fugen ist sehr berühmt und bis heute beliebt. Durch Bachs "Wohltemperiertes Klavier" setzte sich die neue Art, Tasteninstrumente zu stimmen durch, und wurde Werkmeister III oder wohltemperierte Stimmung genannt. Auf ihr klingt Johann Sebastian Bachs Fis-Dur-Präludium richtig gut.

Moderne Gleichberechtigung

Werkmeisters Stimmung entspricht noch nicht ganz unserer Heutigen. Seine Idee, das pythagoreische Komma zu verteilen, wurde weiterentwickelt. Im 19. Jahrhundert verteilte man es schließlich gleichmäßig auf alle zwölf Halbtöne. Seither sind wirklich alle Tonarten komplett gleichberechtigt. Diese Stimmung nennt man gleichstufig oder gleichschwebend. Der Preis, den wir dafür heute zahlen, ist hoch. Wir haben keine reinen Tonarten mehr und außer Oktave sind auf Tasteninstrumenten auch keine wirklich reinen Intervalle mehr geblieben. Alle schweben. Und zwar gleich stark. Daher der Name. Wir haben uns zwar längst daran gewöhnt, aber wenn man es genau nimmt, sind alle Tonarten auf dem modernen Tasteninstrument unsauber. Aber nur ein bisschen ...

 

Dieser Text stammte aus dem Musiklexikon für Kinder von Br, den ich Gottseidank vor Jahren "gescreenshottet" habe, weil er mir sehr gut gefallen hat. Ich habe diesen Text hier abgetippt weil ich ihn persönlich sehr interessant finde und er den Werdegang unserer gleichschwebenden Stimmung sehr schön darstellt. Es gibt aber heute noch Instrumente wie z.B. die Bassseite von der Steirischen oder auch der Schrammel Harmonika und die Geige die rein gestimmt sind, und vielleicht gerade deshalb unbewusst klanglich so begehrt sind.

 

 

Über mich

Hallo mein Name ist Mario Gruber. Meine Eltern sind Karl und Martina Gruber, geboren wurde ich am 27.02.1987.

Im Kleinkindalter von Lego begeistert, zog mich das "Schaffen von Hand" in seinen Bann. Da meine Eltern beide berufstätig waren, verbrachte ich die Nachmittage nach dem Kindergarten immer bei meiner Oma Stefanie und meinem Opa Karl Nagel, der gelernter Tischler ist und wenn man so will, mein erster Lehrherr zu Kindergartenzeiten war. 

Wir verbrachten unsere Nachmittage oft in seiner Werkstatt oder im alten Haus wo es immer was zu tun gab. Er brachte mir spielerisch ein Gefühl für allmögliche Arbeiten und Materialien bei. Ob's eine kaputte Fahrradbremse, verwittertes Holz das saniert werden wollte, oder nur verbogener Baustahl, den wir am Hackstock aus heutiger Sicht übergenau ausgerichtet haben, war egal, wir haben einfach alles gemacht und dafür war ich ihm damals wie heute sehr dankbar. 

Neben meiner Schulischen Laufbahn brachte mir mein Vater, der Toningenieur ist, das Klavierspielen und viel über Tontechnik bei und so bauten wir einige Lautsprecherboxen in Kooperation mit meinem Opa als Tischler versteht sich ;-). Da mein Verlangen nach Handwerk ungestillt war, entschloss ich mich nach "damals" Volks, Hauptschule und Polytechnikum für eine Lehre bei der Firma Kandioler, wo es mit dem Handwerk erst so richtig los ging. Vom Motoren wickeln bis zum Drehen, Fräsen und alles möglich und unmöglich geglaubte Schweißen und Löten lernte ich auch den Umgang mit Elektrizität und habe in knapp fünfzehn Jahren bei der Firma so ziemlich alles erdenkliche von der Tennisballwurfmaschine bis zur Tunnelbohrmaschine repariert und war sogar einige Jahre lang Folienverpackungsmaschinen Techniker.

Parallel zu meiner Tätigkeit bei der Firma machte sich mein Vater mit der Firma Harmonikaservice selbstständig. Mein Vater ist leidenschaftlichster Akkordeonspieler und wer ihn kennt weiß, er ist ein riesen Fan der Oberkrainer Musik. Er ließ sein Akkordeon vor langer Zeit stimmen, was seine Neugierde weckte. Da mein Vater vor nichts zurückschreckt und am liebsten alles selbst macht, öffnete er sein Instrument und rätselte wie dies kryptische Werk wohl funktioniert. Bis er verstand und selbst Hand anlegte.

Hier kam kurz darauf ich ins Spiel, ich hatte den Zugang und das Knowhow für die Maschinen, um die erforderlichen Werkzeuge für die Reparatur und Stimmung für Handzuginstrumente zu schaffen, außerdem ist es eine unserer Leidenschaften die Physik hinter all Möglichem zu verstehen und uns darüber gegenseitig auszutauschen. So zeigte er mir all seine gewonnenen Erkenntnisse bezüglich der Stimmung und Reparatur und gemeinsam entwickelten wir Werkzeuge für eine nachhaltige und schonende Reparatur. 

Es passierte, dass ich unter seinen Fittichen ebenfalls zu stimmen begann und mir einen aus Platzmangelgründen wohnungsgerechten Stimmtisch baute, den ich bis heute in Verwendung habe. Meine erste wirkliche Soloreparatur war für niemand geringeren als Saso Avsenik dessen Balginnenverschluss defekt war, er in Traisen einen Auftritt hatte und meine Eltern verreist waren. Puh... ich schwitzte, aber es war alles wunderbar und ich konnte die Situation meistern. Knapp zwei Jahre vergingen und mein Vater ging in Pension. Ich hatte gefühlt, alles Irdische bei der Firma Kandioler repariert und sehnte mich nach neuen Herausforderungen. .....ich habe 2017 nach einem langem Weg die Firma "Gruber stimmt's Harmonikaservice" gegründet.